Muss ich jetzt wirklich mein Hobby zum Beruf machen?

Als ich Andrea frage, was sie mache, meint sie, sie hätte ihr Hobby zum Beruf gemacht. Sie hätte Pferde schon immer geliebt und nun sei sie Reitlehrerin geworden. Einen Moment lang spüre ich etwas Neid aufkommen. Zum Glück wusste ich zu dem Zeitpunkt schon, was mit Neid anzufangen ist: Er zeigt mir immer, was ich wirklich will. Denn das ist ja meistens schon die erste Hürde: Zu wissen, was man überhaupt will. Ich kenne einige Andreas. Leute, die eine grosse Leidenschaft, ein grosses Talent, ein grosses Interesse haben und dann sehr geradlinig diesen Weg gehen, ohne je zurückzublicken. Bei mir war das allerdings nicht so einfach. Ich hatte mich zu dem Zeitpunkt zwar auch schon seit Jahren mit dem Thema Berufung auseinandergesetzt, aber war noch auf keinen grünen Zweig gekommen. Rückblickend kann ich sagen, ich war zwei Irrglauben auf den Leim gegangen: Einerseits versuchte ich immer vergebens nach dem EINEN grossen Interesse Ausschau zu halten, hatte aber schlicht zu viele und auch sehr wandelbare Interessen, um mich zu entscheiden. Andererseits dachte ich immer, dass Berufung irgendwie die totale Erfüllung im Arbeitsleben bedeutete. Es sollte also einerseits an einen Zustand des permanenten Glücks und andererseits auch noch an Arbeit/Geld geknüpft sein.Als ich nach vielen Jahren Tanzen hätte die Tanzschule meiner Lehrerin übernehmen können, stellte sich bei mir aber einfach nicht dieses erwartete Glücksgefühl ein, und ich musste mir selber gegenüber ganz ehrlich zugeben, dass ich allenfalls sogar die Freude am Tanzen verlieren würde, würde ich es zum Beruf machen. Na prima. Zuvor hatte ich Übersetzerin gelernt, weil ich ja Sprachen so liebe. Aber auch das hat mich nicht in dieser Weise erfüllt.

Berufung zum Selbstzweck

Lange Rede kurzer Sinn: Erst durch Ayurveda habe ich verstanden, was es wirklich heisst, seine Berufung zu leben: Erstmals hat es gar nichts mit Arbeit oder Beruf zu tun, man kann mit der Berufung zwar gerne sein Geld verdienen, muss aber nicht. Vielmehr geht es um einen ganz schönen Gedanken: Du kommst mit Talenten zur Welt, und es ist deine Aufgabe, diese mit der Welt zu teilen. Das ist deine Berufung. Was ich besonders mag an dieser Sichtweise, ist der Perspektivenwechsel: Es geht nun nicht mehr um mich und meine Verwirklichung, sondern um das Wohl anderer durch meine Talente. Sobald man den Fokus von sich weg auf andere stellt, fällt auch die Möglichkeit des „Scheiterns“ weg. Denn ich mache es ja für die anderen und nicht, um selber erfolgreich zu sein. Das Lustige ist, dass einen aber genau diese Tatsache auch selber erfüllt. Diese Sichtweise hat mir auch sehr geholfen bei der Überwindung meiner Bühnenangst und auch bei vielen unsicheren beruflichen Projekten. Zudem steht in den Vedischen Schriften (indische Schriften, die alle Bereiche des menschlichen Wissens, u.a. auch Ayurveda & Yoga, abdecken) nirgends etwas davon, dass man nur einem Talent nachgehen soll/muss. Man kann durchaus auch ganz viele Talente in die Welt bringen. Und das auch, ohne, dass es jemand sieht oder bemerkt. Vielleicht bist du ein guter Zuhörer. Dadurch machst du jedem Menschen, der dir begegnet, ein wortloses Geschenk und lebst somit deine Berufung in all diesen kleinen Alltagsmomenten. Vielleicht spielst du aber auch noch wunderschön Geige und deine Familie freut sich immer, wenn du zu Weihnachten für sie spielst. Oder vielleicht spielst du nur für dich und gehst gestärkt zurück in die Welt und wirkst so ausgeglichen, inspirerend oder ermutigend auf andere. Du musst dich nicht entscheiden, einzig dafür, grosszügig zu teilen, was du hast. Das einzig Unverzeihliche ist, seine Talente nicht zum Ausdruck zu bringen. Was ich auch gelernt habe – und das ist mit dem Glück ganz genau gleich – nichts währt ewig, alles, was du tust & hast, wird dich irgendwann anstrengen oder nerven. Das macht es aber nicht weniger zu deiner Berufung. Vertrau einfach darauf, dass das, was dich immer wieder beschäftigt, das ist, womit du dich auch beschäftigen solltest. Was auch immer das ist. Die einen werden Picasso, die anderen ein wunderbarer Nachbar. Wenn du dir nicht sicher bist, was eigentlich genau deine Talente sind, dann gibt es zwei Wege, dies ziemlich schnell rauszufinden:1. Schreibe auf, was du als Kind total geliebt hattest (von „Murmeln sammeln“ bis „mathematische Formeln berechnen“ ; ))2. Bitte zwei deiner liebsten Menschen darum, eine Liste mit deinen Talenten für dich zu schreiben. Und ergänze sie dann noch mit deinen Inputs. Bist du bereit deine Talente mit der Welt zu teilen? Entscheide dich heute dafür, deine Talente zu leben, indem du hier unten ein „I DO“ als Engagement hinschreibst.

Nadja

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